Archive for April, 2008

Die Sprache der Krähen – Ein augenzwinkernder Vergleich mit der Thai-Sprache

Heute Morgen, es dämmerte bereits, lauschte ich den aktuellen Nachrichten, welche durch eine große schwarze Krähe, die in einem Baum neben meinem Schlafzimmerfenster saß, übermittelt wurden.
Obwohl Krähen nur imstande sind einen einzigen Laut zu erzeugen, welchen man im Deutschen mit “Kraah” umschreiben könnte, nutzen sie genau wie im Thai 5 Töne.

Die Nachrichten dauerten ca. 10 Minuten, mit gelegentlichen Unterbrechungen, welche ich als Pausen zwischen den einzelnen Sätzen bzw. Absätzen interpretierte.
Die Krähe benutzte Wiederholungen und Töne um verschiedene Wörter zu bilden. Manchmal gab sie bis zu 5 identische, schnell aufeinanderfolgende “Kraahs” von sich, bevor eine kleine Pause folgte. Ich wertete diese 5 “Kraahs” als ein Wort oder gar als einen ganzen Satz.

Die Thai-Sprache hat 5 Töne: normaler Ton, tiefer Ton, fallender Ton, hoher Ton und fragender Ton. Die Krähe benutzte exakt diese 5 Töne. Deutlich konnte ich ein “Kraah?” und ein “Kraah!” erkennen, welche sich stark von den anderen 3 “Kraah’s” – normales “Kraah”, tiefes “Kraah” und hohes “Kraah”, unterschieden.

Soweit ich es beurteilen kann, wiederholte sich die Krähe kein einziges Mal während der 10-minütigen Durchsage und es waren auch keine anderen Krähen zu hören, welche etwa ins Wort fielen. Es musste sich also in der Tat um eine offizielle Nachrichten-Übertragung handeln, und nicht nur etwa um ein lapidares: “Hey, ich suche einen Kumpel!”.

Im letzten Thailand-Urlaub ging ich fast täglich im Swimmingpool meines Hotels schwimmen. In einem viel zu kleinem Käfig, auf einem Balkon des Appartementkomplexes nebenan, lebte ein großer Papagei.

Den ganzen Tag gab der Vogel einen Pfeifton von sich, was wohl so viel heißen sollte wie: “Ist irgendjemand hier?”

Eines Tages antwortete ich, indem ich den Pfiff imitierte, was einfach war und mir ziemlich gut gelang.

Sofort hob der Vogel interessiert seinen Kopf, rutschte auf seiner Stange hin und her, setzte sich aufrecht hin, drehte seinen Kopf in alle Richtungen und gab einen Pfiff von sich, wie ich ihn nie zuvor gehört hatte.

Nun imitierte ich diesen zweiten, noch nie zuvor gehörten Pfiff, was den Vogel sichtlich irritierte. Er neigte seinen Kopf, rutschte herum und gab wieder den zweiten Pfiff von sich.

Auch ich wiederholte diesen Pfiff.

Der Vogel beruhigte sich wieder, wirkte desinteressiert und gab in der Folge nur noch den ersten Pfiff von sich.

Was war passiert???

Klar, wenn der erste Pfiff “Ist irgendjemand hier?” bedeutete, dann bedeutete der zweite Pfiff “Ich bin hier, wo bist du?”. Nun hätte ein dritter Pfiff meinerseits folgen müssen, den ich natürlich nicht kannte und den Papagei wiederum zur Erkenntnis brachte, dass ich kein Artgenosse war.

Um noch einmal auf die Krähe zurück zu kommen, sie tat nicht was dieser Papagei tat – einen einzelnen Ton wieder und wieder von sich zu geben. Vielmehr sprach die Krähe deutlich klare, verschiedene Sätze über eine längeren Zeitraum von etwa 10 Minuten, ohne sich zu wiederholen.

Faszinierende Vögel diese Krähen; nie zuvor habe ich realisiert, dass sie eine Form des Thai sprechen :-)

Carsten Naß