Archive for the 'Thai-Filme' Category

Thailand – das Hollywood Asiens

Gerade in den letzten Jahren erlebte Thailand einen regelrechten Film-Boom.
Filme aller Genres können locker den internationalen Vergleich standhalten und müssen sich keineswegs verstecken.
Anfänglich, seit dem Beginn der Thai-Film-Industrie im Jahre 1923, waren es zwar meist ausschließlich Geister-Filme, welche die Zuschauer in Massen in die Kinos strömen ließ. An dieser Stelle muss ein Geisterfilm unbedingt genannt werden – Nang Nak. Jedes Kind in Thailand kennt die tragische Geschichte um Nang Nak und wuchs damit auf. Die Story wurde bereit mehr als zwanzig Mal fürs Kino verfilmt und es gibt unzählige TV-Produktionen. Die bekannteste Kinoversion ist jedoch die aus dem Jahre 1999 mit Winai Kraibutr (auch bekannt aus dem Film Bangrajan) und Sine Charoenpura (jüngere Schwester der Sängerin Mai) in den Hauptrollen.
Auch auf diversen Filmfestspielen (Cannes, Berlinale etc.) konnten thailändische Filme bereits das Publikum begeistern, so z.B. Fan Chan – My Girl und Beautiful Boxer (Berlinale 2004) sowie Dek Hor (Berlinale 2007). Letzterer gewann in diesem Jahr den Hauptpreis in seiner Kategorie – den Gläsernen Bären. In beiden Filmen (Fan Chan und Dek Hor) spielte sowohl Charlie Trairat die Hauptrolle als auch Songyos Sukmakanan Regie führte. Charlie, der sein Film-Debüt in Fan Chan gab, ist in Thailand bereits jetzt ein Superstar und wirkte auch schon in mehreren Thai Lakorns (Seifenopern) mit. Sein neuester Film, die Verfilmung der Thai-Legende Sudsakorn, kam im Dezember 2006 in die Kinos.
Geheimen Quellen zu Folge soll in diesem Jahr noch ein weiteres Projekt mit seiner ehemaligen Filmpartnerin Focus Jeerakul aus Fan Chan geplant sein. Dies würde mich persönlich sehr freuen, da beide zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern zählen und sie wieder vereint auf der Leinwand zu sehen ein wahrer Genuss wäre. Auch Focus hat sich schauspielerisch sehr weiterentwickelt und war zuletzt in der Komödie The Possible, an der Seite des Sängers Joey Boy, zu bewundern.
Auch im Ausland stehen thailändische Filme hoch im Kurs und schafften dort den Sprung in die Kinos und das nicht nur in den U.S.A. sondern auch in Deutschland. Hier ist insbesondere der Martial Arts-Film Ong Bak zu nennen, welcher durch seine atemberaubenden Kampfszenen besticht. Tony Jaa, der all seine Kampfszenen ohne jegliche Hilfsmittel meistert, lässt sogar den legendären Jackie Chan ziemlich blass aussehen.
Erst kürzlich überarbeitete Francis Ford Coppola das Historien- und Helden-Epos Suriyothai und brachte eine gekürzte Fassung für den amerikanischen Markt heraus. Die 5-stündige Originalfassung wäre vermutlich für die meisten Amerikaner, welche leichte Kost gewohnt sind, zu viel des Guten gewesen.
Schon seit längerer Zeit hat auch Hollywood selbst thailändische Filme für Remakes entdeckt. So dreht zur Zeit kein geringerer als Nicolas Cage ein Remake von Bangkok Dangerous. Dafür weilte er im September 2006, während des Militärputsches, für Dreharbeiten in Bangkok, hier sogar in dem berühmt berüchtigten Bar- und Vergnügungs-Viertel Soi Cowboy. Schon Tage vorher waren Hinweisschilder aufgestellt, damit andere Barbesucher nicht aus Versehen als ungewollte Statisten mit im Film landeten und die zurückgelassene Ehefrau zu Hause sieht, dass man nicht nur Tempel besichtigt. Obwohl, mit Nicolas Cage an einer Bar in der Soi Cowboy zu sitzen, ein Bier zu zischen und dies auch noch anhand eines Spielfilmes beweisen zu können, hätte doch auch etwas.
Auch was die Locations angeht ist und bleibt Thailand ein beliebter Drehort; sei es nun für die James Bond-Filme Der Mann mit dem goldenen Colt und Der Morgen stirbt nie, The Beach mit Leonardo DiCaprio, Oliver Stones Filmversion von Alexander dem Großen oder der derzeitigen Neuverfilmung des Literaturklassikers Die Schatzinsel, von Robert Louis Stevenson, welche ProSieben gerade für einen TV-Mehrteiler in Thailand dreht.
In naher Zukunft ist Rambo 4 mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle geplant; auch hier natürlich ist der Drehort Thailand.
Man kann also sagen, dass Thailand den Titel Hollywood Asiens zu Recht trägt.

Carsten Naß

BERLINALE 2007 – Der Gläserne Bär ging an Thailand

Auf der diesjährigen 57. Berlinale schickte Thailand nur einen einzigen Film ins Rennen; in der Kategorie Generation Kplus am Start: der Geisterfilm Dek Hor (Das Internat), welcher auch gleich den Gläsernen Bären für den besten Spielfilm in dieser Kategorie abräumte. Für Thailand eine wirklich makellose Quote von 100% und dies auch zu recht, denn der Film ist eine solide Leistung des Regisseurs Songyos Sukmakanan. Im Film verarbeitet der Regisseur eigene Kindheitserinnerungen, denn er selbst ging auf das im Film gezeigte Saichon-Witaya-Internat, welches Schauplatz einer schaurigen Geister-Story ist.

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Vor allem verdankt der Film seinen Erfolg aber auch dem charmanten Jungdarsteller Charlie Trairat, welcher schon in meinem absolutem Lieblingsfilm Fan Chan – My Girl begeisterte. Dieser Film lief 2004 auf der 54. Berlinale.
Dek Hor beginnt damit, dass der 12-jährige Chatree (gespielt von Charlie Trairat) von seinen Eltern ins Internat abgeschoben wird, da er sich mit seinem Vater zerstritten hat. Dort führt die psychisch angeschlagene Lehrerin Miss Pranee (gespielt von Jintara Sukaphat) ein hartes Regiment.
Als Neuzugang ist der ruhige verschlossene Chatree krasser Außenseiter. Hänseleien, Demütigungen und derbe Scherze sind an der Tagesordnung.
Als dann unter den Schülern noch die gruselige Geschichte kursiert, dass ein ehemaliger Schüler auf mysteriöse Weise im Swimmingpool ums Leben kam und nun durch das Gebäude spukt, traut sich Chatree in der Nacht nicht auf die Toilette. Am Morgen danach wacht er dann als Bettnässer auf, begleitet vom Spott der anderen Schüler.
Einziger Lichtblick in dem tristen anonymen Internatsalltag ist sein Mitschüler Vichien (gespielt von Sirachuch Chienthaworn), mit dem er sich schnell anfreundet. Doch schon bald wird klar, dass es sich bei seinem neu gewonnenen Schulfreund um den Geist jenes Jungen handelt, welcher auf tragische Weise im Swimmingpool des Internats ums Leben kam und den nur er sehen kann. Jeden Abend um exakt 18.00 Uhr durchlebt der Geist Vichiens seinen grausamen Ertrinkungstod aufs Neue, in der Hoffnung irgendwann erlöst zu werden und seinen Frieden zu finden. Chatree fasst den selbstlosen Entschluss seinem Freund zu helfen; doch der einzige Weg dies zu tun führt ihn selbst an den Rand des Todes!!!
Mit unglaublicher Spannung zeigt der Film, wie eine enge Freundschaft zwischen zwei Jungen aus unterschiedlichen Welten möglich ist. Dank der überzeugenden Schauspieler ist aus diesem Film ein ganz besonderer geworden.
Zur Überraschung aller Zuschauer fanden sich am Ende der Filmvorführung am Sonntag, den 18. Februar 2007, noch der Regisseur und seine beiden jungen Hauptdarsteller im Kinosaal ein. Erfolgreich hatten sie sich durch die total überfüllten Straßen Berlins, aufgrund des gerade stattfindenden Karnevalsumzug am Ku-Damm, gekämpft.
Geduldig beantworteten sie nun noch die vielen Zuschauerfragen und standen auch für Autogramme und Fotos zur Verfügung.
 

Carsten Naß

Fan Chan – My Girl

[inspic=9,left,,0]Auf den 54. Internationalen Filmfestspielen Berlins (Berlinale) im Jahre 2004, schickte Thailand gleich sechs Filme ins Rennen: Beautiful Boxer, Baytong, Satree Lek 2 (Iron Ladies 2), Last Life in the Universe, The Adventure of Iron Pussy und Fan Chan (My Girl).
Ich möchte hier speziell auf den letztgenannten Film Fan Chan, welcher im Rahmen des Internationalen Forums des Jungen Films gezeigt wurde, eingehen.
In Thailand sorgte dieses ungemein fantasievolle und einfallsreiche Debüt von sechs jungen Regisseuren für den Überraschungserfolg des Jahres. Kein anderer Film spielte 2003 mehr Geld an den Kinokassen ein.
Die sechs Regisseure lernten sich bereits vor elf Jahren bei ihrem Studium für Fotografie und Film an Thailands berühmtester Universität, der Chulalongkorn Universität in Bangkok, kennen. Nach dem Abschluss trennten sich zunächst ihre Wege. Fan Chan ist ihr erster gemeinsamer Spielfilm.
Dieser sehr tiefgehende, gefühlvolle Film mit vielen lustigen aber auch traurigen Momenten, spricht sowohl Jung als auch Alt an. Zentrales Thema sind Kindheitserinnerungen und die erste große Liebe, aber auch Erinnerungen an die Unschuld der Jugend, an Freundschaft, Liebe und Hass.
Der Film erzählt aus der Sichtweise Jeabs, einem jungen Mann Anfang zwanzig und beschreibt seine Kindheitserinnerungen in dessen Heimatstadt Phetchaburi, in Zentral-Thailand.
Damals spielte er immer mit Noi Nah, seiner besten Freundin, welche er von klein auf kannte. Jungen gab es kaum in der unmittelbaren Nachbarschaft; die meisten aus seiner Schule wohnten auf der anderen Seite der Hauptstraße und diese durfte Jeab mit seinem Fahrrad nicht überqueren. So spielte er also immer mit Noi Nah, welche als einzige als “Freund” in Frage kam, und ihrer Mädchen-Clique. Dies störte ihn aber nicht weiter, obwohl es meistens nur um “Mädchenkram” ging.
Als er älter wurde, keimte in ihm jedoch immer mehr der Wunsch nach Jungenspiele auf und so überquerte er eines Tages, endlich mutig genug, die Hauptstraße. Er freundet sich mit einer Jungen-Gang an und wird letztendlich in diese aufgenommen.
Ausgerechnet diese Jungen-Gang feindet sich dann aber mit Noi Nah und ihrer Clique an. Als Mutprobe und um zu zeigen was für ein ganzer Kerl er ist, legt sich Jeab mit Noi Nah an und verhaut sie.
Das tragische an der Geschichte ist, dass Jeab nie die Gelegenheit bekam sich bei Noi Nah zu entschuldigen, denn kurz darauf zieht sie mit ihren Eltern in eine andere Stadt und ihre Wege trennen sich abrupt. Erst jetzt beginnt Jeab zu erkennen, was er eigentlich schon immer für Noi Nah empfunden hat und das sie weitaus mehr als “nur” seine beste Freundin war.
Doch was hatte diesen Kindheitserinnerungsschub bei Jeab ausgelöst? Heute hat er eine Einladung zu Noi Nahs Hochzeit bekommen und er wird auf alle Fälle hingehen!!!
Der Einladung folgend kehrt Jeab an die Orte seiner Kindheit zurück und fühlt sich doch als Fremder unter Fremden. Diese Last fällt erst von ihm ab, als er Noi Nah auf der Hochzeitsfeier gegenüber steht. Als sie sich zu ihm umdreht, schaut er in das Gesicht des kleinen, niedlichen Mädchens von damals und ist glücklich.
Über zehn Jahre sollte es also dauern, bis sich beide auf Noi Nahs eigener Hochzeit wiedersehen. Im Herzen hatte Jeab sie jedoch nie ganz vergessen – seine erste große Liebe!!!
Besonders die Kinderdarsteller begeisterten das Berliner Publikum. Allesamt sind sie keine professionellen Schauspieler, sondern wurden landesweit an Thai-Grundschulen per Zufall gefunden. So wurde Jeab zum Beispiel beim Fußballspielen auf dem Schulhof entdeckt und eine der Schlüsselszenen im Film ist ja das Fußballspielen.
Die Darsteller des Jeab (“Nack” Charlie Trairat) und der Noi Nah (“Focus” Jeerakul) sind jetzt schon “Superstars” in ihrer Heimat.
Auch die sehr gute Filmmusik leistet ihren Beitrag zur atmosphärischen Tiefe des Films.
Im Anschluss an die Filmvorführung konnte man den sechs anwesenden Regisseuren aus Thailand noch Fragen stellen. Ich fragte, warum man am Ende des Films Noi Nah nicht als Erwachsene sieht; die einleuchtende Antwort: das Ende ist ganz bewusst so gewählt, da sie wollten, dass man die erste große Liebe so im Herzen und in der Erinnerung behält, wie sie war.

Carsten Naß

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